Neue Stra­te­gien gegen Hit­ze, Dür­re und Hoch­was­ser für Städ­te, Land­krei­se und Gemein­den – Sven­ja Schul­ze und kom­mu­na­le Spit­zen­ver­bän­de ver­ein­ba­ren Drei-Punk­te-Plan für Kli­ma­an­pas­sung in Kommunen

Die Bun­des­um­welt­mi­nis­te­rin und die Prä­si­den­ten der kom­mu­na­len Spit­zen­ver­bän­de haben heu­te einen schnell wirk­sa­men Drei-Punk­te-Plan zur Anpas­sung an den Kli­ma­wan­del ver­ein­bart. Die wesent­li­chen Ele­men­te sind ers­tens ein bun­des­wei­tes Bera­tungs­zen­trum für Städ­te, Land­krei­se und Gemein­den, das bis zum Som­mer 2021 sei­ne Arbeit auf­neh­men wird. Kom­mu­nen aus ganz Deutsch­land sol­len in die­sem Zen­trum Infor­ma­tio­nen und Anre­gun­gen für Stra­te­gien und Pro­jek­te zur Kli­ma­an­pas­sung erhal­ten. Zwei­tens för­dert der Bund den Ein­satz von loka­len Anpassungsmanager*innen. So wird sicher­ge­stellt, dass die Stra­te­gien auch in der Pra­xis ankom­men. Drit­tens wer­den beson­ders inno­va­ti­ve Lösun­gen von Kom­mu­nen über den Wett­be­werb Blau­er Kom­pass“ prä­miert. Alle drei Punk­te sol­len noch vor der Som­mer­pau­se umge­setzt werden.

Bun­des­um­welt­mi­nis­te­rin Sven­ja Schul­ze: Die Fol­gen des Kli­ma­wan­dels machen vor allem den Kom­mu­nen zu schaf­fen. Dabei ist jede Kom­mu­ne anders betrof­fen. Eine Stadt erlebt immer häu­fi­ger Hoch­was­ser, eine ande­re Gemein­de kämpft mit Was­ser­knapp­heit, und in der drit­ten lei­den älte­re Men­schen unter der Hit­ze der Groß­stadt. Jede die­ser Kom­mu­nen soll künf­tig die Kli­ma­an­pas­sung umset­zen, die zu ihr passt. Daher sor­ge ich noch vor der Som­mer­pau­se für bes­se­re Bera­tung und bes­se­re För­de­rung. Kom­mu­nen pro­fi­tie­ren dop­pelt, denn kli­ma­an­ge­pass­te Städ­te und Land­krei­se sind lebens­wert: Begrün­te Dächer und Gebäu­de­fas­sa­den, Was­ser­flä­chen und ver­schat­te­te Plät­ze lin­dern Hit­ze, berei­chern die Viel­falt in der Stadt und stei­gern die Auf­ent­halts­qua­li­tät. Anpas­sung sichert die öko­no­mi­schen Grund­la­gen und ist ein Mehr­wert für die Lebens­qua­li­tät der gesam­ten Gesellschaft.“

Burk­hard Jung, Prä­si­dent des Deut­schen Städ­te­ta­ges und Ober­bür­ger­meis­ter von Leip­zig: Wie wir heu­te bau­en, bestimmt auf lan­ge Sicht das Leben in unse­ren Städ­ten. Denn Brü­cken, Wohn­ge­bie­te, Rad- und Schie­nen­we­ge eben­so wie Infra­struk­tu­ren der Was­ser­ver­sor­gung und Abwas­ser­ent­sor­gung haben lan­ge Lebens­zei­ten. Wir müs­sen heu­te kon­se­quent den Wan­del des Kli­mas mit­den­ken und für eine nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung in den Städ­ten vor­sor­gen. Es geht um einen lang­fris­ti­gen Umgang mit dem Kli­ma­wan­del vor unse­rer Haus­tür. Der Drei-Punk­te-Plan greift For­de­run­gen aus den Städ­ten auf und unter­stützt ihren Ein­satz für eine nach­hal­ti­ge Kli­ma­fol­gen­an­pas­sung. Das ist ein ers­ter Schritt, dem in der nächs­ten Legis­la­tur­pe­ri­ode wei­te­re fol­gen müssen.“

Rein­hard Sager, Prä­si­dent des Deut­schen Land­kreis­tags und Land­rat des Krei­ses Ost­hol­stein: Die Land­krei­se sind mit viel Enga­ge­ment dabei, ihren Bei­trag für eine nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung zu leis­ten. Da sich die Aus­wir­kun­gen und Her­aus­for­de­run­gen des Kli­ma­wan­dels in den Land­krei­sen bun­des­weit betrach­tet sehr unter­schied­lich dar­stel­len, ist dies auch eine Fra­ge im Zusam­men­hang mit der Beför­de­rung gleich­wer­ti­ger Lebens­ver­hält­nis­se. Dabei kann der ver­ein­bar­te 3‑Punk­te-Plan einen Bei­trag leis­ten. Wich­tig ist es, dass die Kom­mu­nen ziel­ge­nau die not­wen­di­ge Bera­tung und Unter­stüt­zung bei der Anpas­sung an die unter­schied­li­chen Fol­gen des Kli­ma­wan­dels erhalten.“

Ralph Spieg­ler, Prä­si­dent des Deut­schen Städ­te- und Gemein­de­bunds und Bür­ger­meis­ter der Ver­bands­ge­mein­de Nie­der-Olm: Die Anpas­sung an den Kli­ma­wan­del stellt Kom­mu­nen vor beson­de­re Her­aus­for­de­run­gen. Hit­ze und Dür­re, aber auch Stark­re­ge­n­er­eig­nis­se und Hoch­was­ser erfor­dern eine kla­re Stra­te­gie. Für Kom­mu­nen zahlt sich daher eine kli­ma­ge­rech­te Stadt­ent­wick­lung, die insbse­on­de­re mehr Frei­flä­chen, eine ener­gie­ef­fi­zi­en­te Bau­wei­se, erneu­er­ba­re Ener­gien und eine kli­ma­ge­rech­te Mobi­li­tät umfasst, aus. Wir brau­chen zudem mehr Grün und Blau“ in unse­ren Städ­ten und Gemein­den. Um die­se Her­aus­for­de­run­gen zu meis­tern, bedarf es einer finan­zel­len Unter­stüt­zung von Maß­nah­men sowie einem engen Zusam­men­wir­ken von Bund, Län­der und Kom­mu­nen.“
 

In den ver­gan­ge­nen Jah­ren hat Deutsch­land wie­der­holt tro­cke­ne Som­mer erlebt. Die Land­wirt­schaft, aber auch das Gesund­heits- und Sozi­al­we­sen bekom­men die Fol­gen der Dür­re zu spü­ren. Wet­ter-Extre­me wie anhal­ten­de Hit­ze­wel­len, Dür­ren, Wald­brän­de, Stark­re­gen und Über­flu­tun­gen machen die Fol­gen zu einem All­tags­phä­no­men, das immer weni­ger die Aus­nah­me wird. Die Fol­gen des Kli­ma­wan­dels sind mit erheb­li­chen Aus­wir­kun­gen auf Gesund­heit und Wohl­stand in Deutsch­land ver­bun­den, die ins­be­son­de­re in den Kom­mu­nen vor Ort sicht­bar wer­den: Gesund­heits­be­las­tun­gen bis hin zu vor­zei­ti­gen Todes­fäl­len, signi­fi­kan­te Schä­den an Gebäu­den und Infra­struk­tu­ren sowie in der Land- und Forst­wirt­schaft, Eng­päs­se in der Was­ser­ver­sor­gung der Bevöl­ke­rung. Vor die­sem Hin­ter­grund hat die Bun­des­re­gie­rung 2008 die Deut­sche Anpas­sungs­stra­te­gie (DAS) beschlos­sen und die­se seit­dem kon­ti­nu­ier­lich wei­ter­ent­wi­ckelt. Hier­zu spielt die Zusam­men­ar­beit von Bund, Län­dern und Kom­mu­nen eine zen­tra­le Rolle.

Der Drei-Punk­te-Plan für bes­se­re Kli­ma­an­pas­sung in Kommunen:

1) Mit dem Bera­tungs­zen­trum zur Kli­ma­an­pas­sung erhal­ten Städ­te, Gemein­den und Land­krei­se Bera­tung von zen­tra­ler Stel­le. In dem Zen­trum wer­den Kom­pe­ten­zen und Erfah­run­gen gebün­delt, die Kom­mu­nen hel­fen, pas­sen­de Lösun­gen für die jewei­li­ge Situa­ti­on vor Ort zu erhal­ten. Das Bera­tungs­team unter­stützt künf­tig die loka­len Entscheidungsträger*innen dabei, indi­vi­du­el­le Anpas­sungs­kon­zep­te zu ent­wi­ckeln, öffent­li­che Auf­merk­sam­keit für das The­ma zu schaf­fen, und es über­nimmt eine Lot­sen­funk­ti­on“ bei Schrit­ten in Rich­tung kli­ma­an­ge­pass­te Kom­mu­ne. Das Bera­tungs­zen­trum soll bis zum Som­mer 2021 an den Start gehen.

2) Gleich­zei­tig soll über das BMU-För­der­pro­gramm Maß­nah­men zur Anpas­sung an den Kli­ma­wan­del“ nach­hal­ti­ges Anpas­sungs­ma­nage­ment vor Ort auf­ge­baut wer­den. In vie­len Fäl­len wird dies über loka­le Anpassungsmanager*innen gesche­hen, die die Umset­zung der Anpas­sungs­kon­zep­te in der Pra­xis beglei­ten und loka­le Anpas­sungs­stra­te­gien kon­se­quent auf Umwelt- und Kli­ma­ver­träg­lich­keit aus­zu­rich­ten. Ab Mit­te 2021 sol­len die ers­ten Aus­schrei­bun­gen laufen.

3) Beson­ders inno­va­ti­ve Pro­jek­te der Kli­ma­an­pas­sung wer­den über den Wett­be­werb Blau­er Kom­pass“ aus­ge­zeich­net. In Zukunft kön­nen auch Kom­mu­nen in einer eige­nen Kate­go­rie an dem Wett­be­werb teil­neh­men. Ziel ist es, die bes­ten Pro­jek­te bun­des­weit sicht­bar zu machen, ande­re Kom­mu­nen in Deutsch­land zu inspi­rie­ren und damit künf­tig noch mehr inno­va­ti­ve Kli­ma­an­pas­sungs­pro­jek­te zu ent­wi­ckeln. Bis Som­mer 2021 wird das Wett­be­werbs­bü­ro sei­ne Arbeit auf­neh­men.
 

Wei­ter­füh­ren­de Informationen

Wett­be­werb Blau­er Kompass“

Deut­sche Anpas­sungs­stra­te­gie an den Klimawandel