Kom­mu­nen brau­chen Sicher­heit! Land muss end­lich ver­läss­lich handeln!

Die Kom­mu­nen brau­chen Ver­läss­lich­keit, denn nur so kön­nen sie auf die Her­aus­for­de­run­gen der Pan­de­mie sinn­voll und mit Augen­maß reagie­ren. Weder die Kom­mu­nen noch die Men­schen vor Ort haben Ver­ständ­nis für das Ver­ord­nungs­cha­os in NRW“, ergänzt Mari­on Wei­ke, stell­ver­tre­ten­de Lan­des­vor­sit­zen­de der SGK NRW und Kreis­tags­mit­glied im Kreis Gütersloh.

Das Minis­te­ri­um für Arbeit, Gesund­heit und Sozia­les NRW änder­te allein die Regeln zur Coro­na­schutz­ver­ord­nung vom 30.10.2020 ins­ge­samt neun Mal. Als Fol­ge tra­ten die­se in den meis­ten Fäl­len dann sehr kurz­fris­tig, teil­wei­se mit weni­ger als 24 Stun­den Vor­lauf in Kraft. Bei den wei­te­ren Rege­lun­gen zu Coro­na war es bis­her lei­der nicht anders.

Seit Okto­ber 2020 stei­gen die Fall­zah­len trotz der ver­ord­ne­ten Ver­schär­fun­gen erheb­lich. Das Infek­ti­ons­ge­sche­hen war regio­nal sehr unter­schied­lich ausgeprägt.

Um schlech­te poli­ti­sche Stim­mung zu ver­mei­den, hat die Lan­des­re­gie­rung die Ver­ant­wor­tung zur Umset­zung von Rege­lun­gen an die ört­li­chen Gesund­heits­äm­ter und die ört­li­chen Ord­nungs­be­hör­den abge­scho­ben. Die­se muss­ten dann selbst mit dem Minis­te­ri­um für Arbeit, Gesund­heit und Sozia­les abstim­men, wie ein Lock-Down‘ in der Regi­on aus­se­hen soll. Damit hat sich die Lan­des­re­gie­rung erneut aus der Ver­ant­wor­tung gestoh­len“, so Baranowski.

Die­ses Abschie­ben der Ver­ant­wor­tung tarn­te die Lan­des­re­gie­rung als Ver­trau­en gegen­über der kom­mu­na­len Selbst­ver­ant­wor­tung. In Wahr­heit drückt sich die gesam­te Regie­rung von Minis­ter­prä­si­dent Laschet vor einer kla­ren ein­heit­li­chen Rege­lung, die lan­des­weit nicht nur auf offe­ne Arme sto­ßen wür­de“, so Weike.

Das Ergeb­nis ist lei­der ein­deu­tig: Die erlas­se­nen Rege­lun­gen unter­schei­den sich nun teil­wei­se von Kom­mu­ne zu Kom­mu­ne so erheb­lich, dass ein Durch­bli­cken nicht mehr mög­lich ist und führt bei den Men­schen zu erheb­li­chen und ver­meid­ba­ren Unsicherheiten.

Die SPD-Kom­mu­na­len for­dern die Lan­des­re­gie­rung auf:

Das Land NRW muss sich sei­ner Ver­ant­wor­tung nun end­lich stel­len. Es ist nicht rich­tig, dass die Ver­ant­wor­tung bei erhöh­ter Infek­ti­ons­last, wie es in Teil­be­rei­chen NRWs der Fall war, von der Lan­des­re­gie­rung den nach­ge­ord­ne­ten Behör­den auf­ge­bür­det wur­de und wird.

Das Land NRW muss Maß­nah­men in einem Stu­fen­plan nach den ört­li­chen Inzi­den­zen und/​oder Aus­las­tung der Kran­ken­häu­ser in einer neu­en ver­läss­li­chen Coro­na­schutz­ver­ord­nung tref­fen. Wenn sich die Regeln an den ört­li­chen Inzi­den­zen ori­en­tie­ren wür­den, wäre es auch ent­behr­lich, immer wie­der nach­zu­steu­ern. Für die Men­schen sowie für die ört­lich zustän­di­gen Behör­den gäbe es deut­lich mehr Verlässlichkeit.

Wir hal­ten wei­ter fol­gen­de Maß­nah­men für notwendig:

  • Bei hohen Inzi­den­zen müs­sen auch Got­tes­diens­te und wei­te­re reli­giö­se Zusam­men­künf­te in Prä­senz ein­ge­schränkt wer­den können.
  • Das hohe Gefähr­dungs­po­ten­zi­al durch Prä­senz­un­ter­richt in Berufs­kol­legs muss eben­falls ein­ge­dämmt wer­den. Hier füh­ren zum einen die gro­ßen Ein­zugs­be­rei­che und zum ande­ren die Tat­sa­che, dass die Schü­le­rin­nen und Schü­ler in der dua­len Aus­bil­dung zur Hälf­te der Zeit im Betrieb arbei­ten, zu einer unüber­sicht­li­chen Risi­ko­la­ge. Damit besteht ein sehr hohes Risi­ko, die Infek­tio­nen in dem gro­ßen Ein­zugs­be­reich zu ver­brei­ten und in die Betrie­be oder bei den Kun­den ein­zu­schlep­pen. Die­ses Risi­ko könn­te durch digi­ta­len oder Hybrid-Unter­richt ein­fach ver­mie­den wer­den, so wie es bei den wei­ter­füh­ren­den Schu­len schon prak­ti­ziert wur­de. Soweit Schü­ler oder Schü­le­rin­nen selbst kei­nen Zugang zu digi­ta­len Lern­mög­lich­kei­ten haben, wird es in der Regel mög­lich sein, ihnen die­se im Betrieb zu stel­len. Auch die Fahr­gast­zah­len im öffent­li­chen Per­so­nen­ver­kehr zu den ver­kehrs­rei­chen Zei­ten könn­ten sich dadurch redu­zie­ren. 
  • Hybrid­un­ter­richt soll­te in all­ge­mein­bil­den­den Schu­len ab Klas­se 7 die Regel sein, zumin­dest bei erhöh­ten Inzidenzen.
  • Men­schen in Pfle­ge­ein­rich­tun­gen sind in beson­de­rer Wei­se durch eine Covi­der­kran­kung bedroht. Bis in allen Ein­rich­tun­gen die Imp­fun­gen durch­ge­führt wer­den, wer­den noch eini­ge Wochen ver­ge­hen. Bei hohen Inzi­den­zen soll­te der Zugang durch Besu­che­rin­nen und Besu­cher auf das zum Schutz der Bewoh­ner und Bewoh­ne­rin­nen erfor­der­li­che Maß begrenzt wer­den kön­nen. Coro­na-Schnell­tests vor dem Betre­ten einer Pfle­ge­ein­rich­tung soll­ten für Ange­stell­te und Besu­cher gene­rell ver­pflich­tend sein.

Die Coro­na­kri­se ist eine gro­ße Her­aus­for­de­rung für uns alle und die Poli­tik auf allen Ebe­nen steht unter gro­ßem Druck. Umso wich­ti­ger ist es für die Kom­mu­nal­po­li­tik, sich auf ver­läss­li­che Rege­lun­gen und Ver­ord­nun­gen ver­las­sen zu kön­nen. Minis­ter­prä­si­dent Laschet ist auf­ge­for­dert, sich end­lich um kla­re, nach­voll­zieh­ba­re und rechts­si­che­re Rege­lun­gen zu bemü­hen und dem Rege­lungs­cha­os ein Ende zu set­zen“, ergänzt Frank Bara­now­ski abschließend.