Alt­schul­den nicht auf den Sankt Nim­mer­leins­tag verschieben

Ste­fan Käm­mer­ling: Alt­schul­den nicht auf den Sankt Nim­mer­leins­tag ver­schie­ben“ Der Lan­des­be­trieb Infor­ma­ti­on und Tech­nik Nord­rhein-West­fa­len (IT​.NRW) hat heu­te die Schul­den der Städ­te und Gemein­den zum 31.12.2019 ver­öf­fent­licht. Zu den ver­öf­fent­lich­ten Zah­len erklärt Ste­fan Käm­mer­ling, kom­mu­nal­po­li­ti­scher Spre­cher der SPD-Frak­ti­on im Land­tag NRW:

Die Zah­len von IT​.NRW sind ein Blick in die Ver­gan­gen­heit. Der 31.12.2019 mag zeit­lich nicht lan­ge her sein, die Umstän­de haben sich seit dem aller­dings dra­ma­tisch verändert.

Kann die Sta­tis­tik zum Ende 2019 gegen­über dem Vor­jahr einen Rück­gang der Kas­sen­kre­di­te in den Kern­haus­hal­ten aller NRW-Kom­mu­nen auf 21,644 Mil­li­ar­den Euro ver­zeich­nen, so wird das ledig­lich eine schö­ne Erin­ne­rung an bes­se­re Zei­ten sein. Der Rück­gang um 1,419 Mil­li­ar­den Euro im Jahr 2019 ist auf har­te Ent­beh­run­gen und Zumu­tun­gen der Städ­te und Gemein­den zurück­zu­füh­ren. Unter­stützt wur­de sie bei ihren Anstren­gun­gen durch eine flo­rie­ren­de wirt­schaft­li­che Lage mit spru­deln­den Steu­er­ein­nah­men, die einen Rekord nach dem nächs­ten jag­ten. Das wird der Ver­gan­gen­heit angehören.

Die Steu­er­schät­zung im Mai sieht allein bei der Gewerb­steu­er, die für unse­re Kom­mu­nen die wich­tigs­te Ein­nah­me­quel­le ist, Ein­brü­che von bun­des­weit rund 12 Mil­li­ar­den Euro vor. Für die NRW-Kom­mu­nen geht Pro­fes­sor Jun­kern­hein­rich in einem für die SPD-Frak­ti­on erstell­ten Gut­ach­ten ins­ge­samt von einer Finanz­be­las­tung allein im Jahr 2020 von bis zu 7,2 Mil­li­ar­den Euro aus.

Bis­her hat sich die Lan­des­re­gie­rung nicht zu ech­ten Finanz­hil­fen für alle Kom­mu­nen durch­rin­gen kön­nen. Wäh­rend die Koali­ti­on im Bund beschlos­sen hat, dass der Bund die Hälf­te der Gewer­be­steu­er­aus­fäl­le aus­glei­chen wird, hül­len sich Minis­ter­prä­si­dent Laschet und sei­ne Kom­mu­nal­mi­nis­te­rin Schar­ren­bach in Schweigen.

Die ein­zi­ge Ver­laut­ba­rung der regie­rungs­tra­gen­den Frak­tio­nen ist eine Aus­sa­ge von Herrn Lött­gen, was man nicht tun wird – näm­lich die Alt­schul­den­fra­ge lösen. Und dabei hat­ten die eige­nen Par­tei­freun­de in Ber­lin eine Lösung die­ser seit Jahr­zehn­ten bestehen­den Pro­ble­ma­tik unter Betei­li­gung des Bun­des gera­de mit dem Hin­weis auf die Zustän­dig­keit der Lan­des­re­gie­rung verhindert.

Die jet­zi­gen Her­aus­for­de­run­gen unse­rer Kom­mu­nen beant­wor­ten Laschet und Schar­ren­bach mit der Mög­lich­keit, für die Kom­mu­nen mehr Schul­den zu machen und Haus­halt­stricks, die wie­der­um eben­falls mehr Schul­den ver­ur­sa­chen werden.

Die Aus­sa­gen von Lött­gen, dass eine Lösung ange­sichts nied­ri­ger Zin­sen nicht drängt, ist naiv. Als ob eine Lösung bei stei­gen­den Zin­sen rea­lis­tisch wäre. Gera­de­zu wie Hohn in den Ohren aller Käm­me­rer im Lan­de muss die Aus­sa­ge des kom­mu­nal­po­li­ti­schen Spre­chers der CDU klin­gen, wonach die Kom­mu­nen an den Zin­sen der­zeit sogar ver­die­nen würden.

Seit 2017 lau­fen Laschet und Schar­ren­bach durchs Land und sagen den Kom­mu­nen eine Lösung für die Alt­schul­den zu. Es wird Zeit, dass sie zei­gen, dass sie nicht nur den Mund spit­zen kön­nen, son­dern auch pfeifen.“

Hin­ter­grund:

Die Zah­len von IT​.NRW sind Kom­mu­nen-scharf hier abrufbar:

https://​www​.it​.nrw/​n​r​w​-​k​o​m​m​u​n​e​n​-​v​e​r​r​i​n​g​e​r​t​e​n​-​2019​-​i​h​r​e​-​s​c​h​u​l​d​e​n​-​u​m​-​16​-​p​r​o​z​e​n​t​-​99998