Abschaf­fung der Stich­wahl ver­fas­sungs­wid­rig – SGK stellt Gut­ach­ten vor

Düs­sel­dorf. Die Sozi­al­de­mo­kra­ti­sche Gemein­schaft für Kom­mu­nal­po­li­tik e.V. (SGK NRW) hat heu­te das Gut­ach­ten von Prof. Dr. Bät­ge zur Fra­ge der ver­fas­sungs­recht­li­chen Zuläs­sig­keit der Abschaf­fung der Stich­wahl in Nord­rhein-West­fa­len vorgestellt. 

Der Gut­ach­ter hat fest­ge­stellt, dass die Abschaf­fung der Stich­wahl den ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen für eine Ände­rung des Wahl­mo­dus nicht ent­spricht“, so Frank Bara­now­ski, Ober­bür­ger­meis­ter von Gel­sen­kir­chen und SGK Landesvorsitzender.

Wah­len brau­chen eine gute demo­kra­ti­sche Basis und Ver­läss­lich­keit. Die Vor­aus­set­zun­gen der Wah­len dür­fen nicht nach Belie­ben in kur­zen Abstän­den ver­än­dert werden.“

Damit greift Frank Bara­now­ski die Kri­tik auf, dass die Lan­des­re­gie­rung sich von der Fest­stel­lung, die, so die Ana­ly­se, ohne erkenn­ba­ren Grund abwendet.

Raj­ko Kra­van­ja, Bür­ger­meis­ter von Cas­trop-Rau­xel und Mit­glied des SGK Lan­des­vor­stan­des, erin­nert an die Ana­ly­se der Lan­des­re­gie­rung 2014. Die­se hat­te fest­ge­stellt, dass die Stich­wahl die demo­kra­ti­sche Legi­ti­ma­ti­on der Haupt­ver­wal­tungs­be­am­ten stär­ke. Der Lan­des­ge­setz­ge­ber muss sich an sei­nen vor­an­ge­gan­ge­nen Ein­schät­zun­gen und Pro­gno­sen mes­sen las­sen.“, so Kra­van­ja. Neue Fak­ten wer­den hier­zu in der aktu­el­len Geset­zes­be­grün­dung nicht vor­ge­tra­gen.“, so Kra­van­ja weiter.

Der Ver­fas­sungs­ge­richts­hof hat die Abschaf­fung der Stich­wahl im Jah­re 2009 nicht unein­ge­schränkt für ver­fas­sungs­ge­mäß erklärt, son­dern dem Lan­des­ge­setz­ge­ber Beob­ach­tungs­pflich­ten auf­er­legt und schon damals aus­drück­lich einen sach­li­chen Grund für die Abschaf­fung der Stich­wahl gefordert.

Dem Land­tag wur­de kei­ner­lei sach­li­cher Grund genannt, anhand des­sen er eine ordent­li­che Pro­gno­se­ent­schei­dung und Abwä­gung tref­fen kann. Allein die Begrün­dung, der Ver­fas­sungs­ge­richts­hof habe es 2009 nicht bean­stan­det, reicht eben nicht aus.“ so Kravanja.

Über 50 (Ober-)Bürgermeister*innen haben in einem offe­nen Brief an Armin Laschet appe­liert, die kom­mu­na­le Demo­kra­tie nicht zu schwä­chen, der Brief kann hier her­un­ter­ge­la­den werden.

[1] Prof. Dr. Bät­ge lehrt Recht an der Fach­hoch­schu­le für öffent­li­che Ver­wal­tung Nord­rhein-West­fa­len unter ande­rem in den Fächern Staats­recht und Kom­mu­nal­recht. Er ist Her­aus­ge­ber der juris­ti­schen Stan­dard­kom­men­tie­rung Wah­len und Abstim­mun­gen in Nordrhein-Westfalen“.

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