Land­tag ver­ab­schie­det kom­mu­nal­feind­li­chen Haushalt

Bes­te Start­vor­aus­set­zun­gen trotz Nega­tiv-Redens
Die Mit­te-Rechts-Koali­ti­on muss sich mit ihrem ers­ten eige­nen Haus­halts­ent­wurf ein­ge­ste­hen, dass das Schlecht­re­den von NRW nicht mehr war als bil­li­ge Wahl­kampf­rhe­to­rik. Die Arbeits­lo­sig­keit im Dezem­ber 2017 war mit 7% auf die nied­rigs­ten Stand seit 25 Jah­ren. Das Wirt­schafts­wachs­tum lag im ers­ten Halb­jahr 2017 mit 2% im Bun­des­schnitt. Die Steu­er­ein­nah­men im Novem­ber 2017 lagen um 2,9 Mrd. € höher als im Vor­jahr und wer­den wei­ter steigen. 

Schwar­ze Null fällt in den Schoss, Ein­spa­run­gen sind eine Luft­num­mer
Die von Mit­te-Rechts geprie­se­ne Schwar­ze Null“ fällt dem Finanz­mi­nis­ter also in den Schoss. Auch Rot-Grün hat­te in sei­ner Abschluss­bi­lanz schon Über­schüs­se aus­ge­wie­sen und zwar schon ab 2017.
Dage­gen muss­te Minis­ter Lie­nen­käm­per jetzt ein­ge­ste­hen, dass auch 2017 noch 1 Mrd. € neue Schul­den gemacht wer­den. 2016 wur­den noch Schul­den in Höhe von mehr als 200 Mio. € getilgt. 
Die ange­kün­dig­ten Ein­spa­run­gen von 131 Mio. €, gan­ze 1,8 Pro­mil­le des Lan­des­haus­hal­tes, sind eine Luft­num­mer. Wo genau gespart wer­den soll, kann der Minis­ter bis zum heu­ti­gen Tage nicht sagen.
Unso­zia­le Maß­nah­men und kei­ne Zukunfts­vi­si­on
Wenn gespart wird, dann auf dem Rücken der Schwächsten. 

  • Das Sozi­al­ti­cket soll­te schritt­wei­se abge­schafft wer­den. Erst nach mas­si­ven Pro­tes­ten ist dies still und heim­lich zurück­ge­nom­men worden.
  • Der Sozia­le Arbeits­markt wird mit weni­ger Geld aus­ge­stat­tet. Trotz gro­ßer Ankün­di­gun­gen des Minis­ters, sich um die­sen Bereich zu küm­mern, wer­den hier 10 Mio. € weni­ger bereitgestellt.
  • Bei der Sozia­len Flücht­lings­be­ra­tung wer­den mehr als 17 Mio. € gekürzt. Angeb­lich mit den Ver­bän­den, die­se aller­dings sind eben­so überrascht.

Gleich­zei­tig feh­len in die­sem Haus­halts­ent­wurf die not­wen­di­gen Inves­ti­tio­nen und der Gestal­tungs­wil­le für die Zukunft: 

  • Die Inves­ti­ti­ons­quo­te sinkt von 9,4 Pro­zent in 2017 auf 8,7 Pro­zent in 2021.
  • Für die ver­spro­che­nen und not­wen­di­gen Qua­li­täts­ver­bes­se­run­gen in Kitas und OGS wird kein Geld bereitgestellt.
  • Ein Plan, wie die Tau­sen­den offe­nen Stel­len, vor allem im Schul­be­reich, besetzt wer­den soll, wur­de bis heu­te nicht vorgelegt.
  • Wie in Zukunft mit Über­schüs­sen aus dem Lan­des­haus­halt umge­gan­gen wer­den soll, weiß offen­bar auch niemand.

Statt­des­sen schafft die Lan­des­re­gie­rung mehr Büro­kra­tie mit mehr Per­so­nal in den Minis­te­ri­en. Nach dem Nach­trags­haus­halt 2017 mit 139 neu­en Stel­len in der Minis­te­ri­al­bü­ro­kra­tie wer­den mit dem Haus­halt 2018 noch ein­mal 259 Stel­len für die Regie­rung geschaf­fen. Bemer­kens­wert dabei ist, wie schnell die meis­ten der 139 Stel­len aus dem Nach­trag besetzt wur­den, wäh­rend Stel­len für inne­re Sicher­heit und Schu­len unbe­setzt bleiben. 

Bera­tungs­ver­fah­ren offen­bart Hilf­lo­sig­keit von Mit­te-Rechts
Die kur­ze Bera­tungs­zeit über­for­dert offen­bar auch die Mit­te-Rechts-Koali­ti­on. Eige­ne Anträ­ge kön­nen in den Fach­aus­schüs­sen weder begrün­det noch erläu­tert werden. 

So wur­de die von den bei­den Frak­ti­ons­chefs ange­kün­dig­te teil­wei­se Durch­lei­tung der Inte­gra­ti­ons­pau­scha­le des Bun­des an die Kom­mu­nen im Aus­schuss genau­so wenig bean­tragt wie die kom­plet­te Gegen­fi­nan­zie­rung der ange­kün­dig­ten Anträ­ge. So wur­de eine Fach­de­bat­te im Aus­schuss ver­mie­den, in der deut­lich gewor­den wäre, dass die CDU ihr Wahl­ver­spre­chen die gesam­te Inte­gra­ti­ons­pau­scha­le an die Kom­mu­nen wei­ter­zu­ge­ben bricht. 

Haus­halts­po­li­tik heißt bei CDU und FDP zu war­ten, ob der Finanz­mi­nis­ter am Ende des Jah­res zufäl­lig noch Geld fin­det, um die­ses dann für Aus­ga­ben­wün­sche bereit­zu­stel­len.
Die 50 Mio. € an eige­nen Ände­rungs­an­trä­gen sind ein Sam­mel­su­ri­um, ohne erkenn­ba­re Linie und Konzept. 

Trotz­dem hat die SPD im Land­tag sich kon­struk­tiv zu jedem Antrag ver­hal­ten und sinn­vol­len Vor­schlä­gen auch zugestimmt. 

Inves­ti­tio­nen in den sozia­len Zusam­men­halt und die Infra­struk­tur unse­rer Gesellschaft: 
Die SPD-Land­tags­frak­ti­on hat mit Ände­rungs­an­trä­gen zur Zwei­ten und Drit­ten Lesun­gen ihre Schwer­punk­te deut­lich gemacht:

Kom­mu­nen finan­zi­ell entlasten 

  • Rück­nah­me des Vor­weg­ab­zugs im Gemein­de­fi­nan­zie­rungs­ge­setz von 175 Mio. €
  • 400 Mio. € für die Inte­gra­ti­on gedul­de­ter Flüchtlinge
  • Dau­er­haft Sen­kung des Finan­zie­rungs­an­teils an der Kran­ken­haus­för­de­rung von 40 auf 20 Pro­zent mit einem Volu­men von 115 Mio. €
  • Erstat­tung von 80 Mil­lio­nen Euro an die Kom­mu­nen für Pla­nungs­kos­ten durch Bun­des- und Landesförderprogramme

Sozia­len Zusam­men­halt sicherstellen 

  • Den Sozia­len Arbeits­markt mit jähr­lich 10 Mio. € zusätz­lich ausbauen
  • Ein­füh­rung eines Azu­bi­ti­ckets mit 20 Mio. €
  • Erhö­hung des Sozi­al­ti­ckets um 10 Mio. € und dau­er­haf­te Siche­rung bis 2021
  • Erhö­hung der Schul­kos­ten­pau­scha­le an die Trä­ger der Alten­pfle­ge­schu­len mit zusätz­li­chen 47 Mio. €

Bil­dung stärken 

  • Erhö­hung der För­de­rung von Fami­li­en­zen­tren um 5 Mio. €
  • Ver­bes­se­rung der Qua­li­tät in den Kitas mit mehr als 10 Mio. €
  • Attrak­ti­vie­rung des Leh­rer­be­rufs durch die Ein­füh­rung einer glei­chen Besol­dung ab dem Schul­jahr 2018/2019
  • Strei­chung der kw Ver­mer­ke, die 2019 fäl­lig werden

All die­se Anträ­ge hat die Mit­te-Rechts-Regie­rung trotz gegen­tei­li­ger Ver­spre­chun­gen abge­lehnt und dies trotz einer vor­lie­gen­den Gegen­fi­nan­zie­rung, die den Abbau von über 30 Mil­lio­nen Euro Schul­den ermög­licht hätte. 

Die Haus­halts­be­ra­tun­gen machen deut­lich: Die­se Regie­rung hat kei­nen Plan und kei­ne Idee für NRW. 
Quel­le: Ent­schlie­ßungs­an­trag der SPD-Land­tags­frak­ti­on Druck­sa­che 17/1759