Pres­se­mit­tei­lung der Finanz­mi­nis­te­rin­nen und Finanz­mi­nis­ter der Län­der zur Reform der Grundsteuer

Sie haben die Län­der Hes­sen und Nie­der­sach­sen gebe­ten, ent­spre­chen­de Gesetz-ent­wür­fe ein­zu­brin­gen.
Dabei gehen die Finanz­mi­nis­te­rin­nen und Finanz­mi­nis­ter der Län­der davon aus, dass Bun­des­re­gie­rung und Bun­des­tag ihren Bei­trag für eine zügi­ge Umset­zung der Reform leis­ten, um damit die Grund­la­ge dafür zu schaf­fen, dass die Grund­steu­er den Gemein­den als ver­läss­li­che Ein­nah­me­quel­le erhal­ten bleibt.

Ziel der Initia­ti­ve ist, die Grund­steu­er ver­fas­sungs­fest und damit auch wei­ter­hin als ver­läss­li­chen Bau­stein der Kom­mu­nal­fi­nan­zie­rung aus­zu­ge­stal­ten. Die Grund­steu­er ist mit einem jähr­li­chen Auf­kom­men von rund 13 Mrd. Euro eine wich­ti­ge Ein­nah­me­quel­le der Kom­mu­nen. Die Finanz­mi­nis­te­rin­nen und Finanz­mi­nis­ter der Län­der stre­ben eine auf­kom­mens­neu­tra­le Reform an, die nicht zu einer flä­chen­de­ckend höhe­ren Grund­steu­er­be­las­tung für die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger füh­ren soll.

In einem ers­ten Schritt soll zunächst die Bewer­tung von Grund­stü­cken sowie land- und forst­wirt­schaft­li­chen Betrie­ben aktua­li­siert wer­den. Die der­zeit ver­wen­de­ten Ein­heits­wer­te basie­ren auf jahr­zehn­te­al­ten Wert­ver­hält­nis­sen, im Wes­ten aus dem Jah­re 1964 und im Osten aus 1935. Die Neu­be­wer­tun­gen für rund 35 Mil­lio­nen wirt­schaft­li­che Ein­hei­ten sol­len nach dem vor­lie­gen­den Ent­wurf zum Stich­tag 1. Janu­ar 2022 in den dar­auf­fol­gen­den Jah­ren vor­ge­nom­men wer­den. Danach soll tur­nus­mä­ßig eine aktua­li­sier­te Anpas­sung erfol­gen. Wel­che Wer­te sich für ein­zel­ne Grund­stü­cke dann erge­ben, lässt sich heu­te noch nicht abschät­zen, da für die neu­en Grund­steu­er­wer­te ins­be­son­de­re der dann gül­ti­ge Boden­richt­wert (bei unbe­bau­ten Grund­stü­cken) sowie bei bebau­ten Grund­stü­cken neben dem Boden­wert zusätz­lich der Gebäu­de­wert zu berück­sich­ti­gen sein wird.
Letz­te­rer rich­tet sich im Wesent­li­chen nach den dann aktu­el­len Bau­prei­sen sowie Fak­to­ren wie Gebäu­de­art und Bau­jahr. Die Bewer­tung von land- und forst­wirt­schaft­li­chen Betrie­ben soll künf­tig auf Basis eines typi­sie­ren­den Ertrags­wert­ver­fah­rens erfolgen.

Das Ziel der bun­des­wei­ten Auf­kom­mens­neu­tra­li­tät soll durch die Fest­le­gung der soge­nann­ten Grund­steu­er­mess­zah­len erreicht wer­den. Wie schon heu­te die Ein­heits­wer­te wer­den die künf­ti­gen Grund­steu­er­wer­te mit einer gesetz­lich fest­ge­leg­ten Steu­er­mess­zahl mul­ti­pli­ziert. Im Fal­le eines flä­chen­de­cken­den Anstiegs der Wer­te auf­grund der Neu­be­wer­tung wird es über eine Absen­kung der Steu­er­mess­zah­len ein Kor­rek­tiv geben. 

Erst auf den Steu­er­mess­be­trag (Grund­steu­er­wert x Steu­er­mess­zahl) wird dann der jewei­li­ge gemeind­li­che Hebe­satz ange­wandt – dies ergibt die tat­säch­lich zu zah­len­de Grundsteuer.

Wie hoch die Mess­zah­len sein müs­sen, um die ange­streb­te bun­des­wei­te Auf­kom­mens­neu­tra­li­tät zu errei­chen, kann erst in einem zwei­ten Reform­schritt nach Ab-schluss der Neu­be­wer­tung der rund 35 Mil­lio­nen Ein­hei­ten berech­net wer­den. Hier­bei soll den Län­dern künf­tig auch die Mög­lich­keit eröff­net wer­den, eige­ne jeweils lan­des­weit gel­ten­de Steu­er­mess­zah­len zu bestim­men. Auf­grund des Umfangs der zu ermit­teln­den Wer­te und der tat­säch­li­chen Ver­hält­nis­se rech­nen die Finanz­mi­nis­te­rin­nen und Finanz­mi­nis­ter der Län­der mit einem Ein­satz der aktua­li­sier­ten Wer­te in der Pra­xis in cir­ca 10 Jahren.