Inte­gra­ti­on ist die Auf­ga­be der kom­men­den Jahre

Auch wenn noch nicht fest­steht, wie vie­le der Asyl­su­chen­den dau­er­haft in Deutsch­land blei­ben kön­nen, bekommt die Inte­gra­ti­on zuneh­mend Gewicht in der kom­mu­na­len Pra­xis. Die­se Auf­ga­be wird den All­tag von Bür­ger­schaft und Ver­wal­tung in den kom­men­den Jah­ren maß­geb­lich prä­gen”, erklär­te der Prä­si­dent des Städ­te- und Gemein­de­bun­des NRW, der Soes­ter Bür­ger­meis­ter Dr. Eck­hard Ruthe­mey­er, heu­te vor dem Prä­si­di­um des kom­mu­na­len Spit­zen­ver­ban­des in Soest.

Bei der Inte­gra­ti­on sei­en sämt­li­che Lebens­be­rei­che betrof­fen – vom Sprach­er­werb über Kin­der­be­treu­ung, Schu­le, Berufs­qua­li­fi­zie­rung und Arbeits­su­che bis hin zu Sport und Frei­zeit­ak­ti­vi­tä­ten. Inte­gra­ti­on ist eine Quer­schnitt­auf­ga­be, bei der wir die gesam­te Bür­ger­schaft ein­be­zie­hen müs­sen”, leg­te Ruthe­mey­er dar. Um den Kom­mu­nen bei der Inte­gra­ti­on Hil­fe­stel­lung zu geben, hat der Städ­te- und Gemein­de­bund NRW einen Hand­lungs­leit­fa­den ent­wi­ckelt. Die­ser wur­de als ers­ter Ent­wurf vom Prä­si­di­um des Ver­ban­des gebil­ligt. Gemein­sam mit Fach­leu­ten aus der kom­mu­na­len Pra­xis soll der Hand­lungs­leit­fa­den kon­ti­nu­ier­lich wei­ter­ent­wi­ckelt werden.

Die Städ­te und Gemein­den sind der Haupt­ort der Inte­gra­ti­on”, stell­te Ruthe­mey­er klar. In den Kom­mu­nen spie­le sich der All­tag der neu Zuge­zo­ge­nen ab, und dort tre­te der Staat den Bür­ge­rin­nen und Bür­gern direkt und sicht­bar gegen­über. Außer­dem ver­füg­ten die Kom­mu­nen über jahr­zehn­te­lan­ge Erfah­rung in der Inte­gra­ti­on von Zuge­wan­der­ten. Dies habe mit der Umsied­lung und Ver­trei­bung Mil­lio­nen Deut­scher nach dem 2. Welt­krieg begon­nen und mit den Gast­ar­bei­tern der 1960er-Jah­re, den Spät­aus­sied­lern der 1980er-Jah­re sowie den Bal­kan­flücht­lin­gen der 1990er-Jah­re sei­ne Fort­set­zung gefunden.

Inte­gra­ti­on bedeu­te eine orga­ni­sa­to­ri­sche, aber auch eine huma­ni­tä­re Her­aus­for­de­rung. Der Kom­mu­ne kom­me dabei die Rol­le des Moti­va­tors, Media­tors und Mana­gers zu. Wir müs­sen unse­re Bür­ger und Bür­ge­rin­nen dafür gewin­nen, ihren Wer­te­ka­non den Neu­an­kömm­lin­gen zu ver­mit­teln und sie in ihre Gemein­schaft auf­zu­neh­men”, leg­te Ruthe­mey­er dar. Viel sei auch dadurch gewon­nen, dass die Neu­bür­ger und ‑bür­ge­rin­nen nicht nur als Belas­tung, son­dern auch als Poten­zi­al wahr­ge­nom­men wür­den. Wir müs­sen die Fähig­kei­ten unse­rer neu­en Nach­barn rasch aus­lo­ten und effek­tiv für die Gemein­schaft nutz­bar machen”, so Ruthemeyer.

Gleich­wohl sei schon jetzt abseh­bar, dass die Inte­gra­ti­on einer solch gro­ßen Zahl von Flücht­lin­gen immense Kos­ten ver­ur­sa­chen wer­de. Die Schät­zun­gen – so Ruthe­mey­er – lägen im zwei­stel­li­gen Mil­li­ar­den­be­reich pro Jahr. Der Auf­wand, der hier auf uns zu kommt, ist bis­her durch kein Finan­zie­rungs­sys­tem abge­deckt”, warn­te Ruthe­mey­er. Daher müss­ten sich Land und Bund mit Inves­ti­ti­ons­pro­gram­men sowie lau­fen­den Zuschüs­sen an der Jahr­hun­dert­auf­ga­be Inte­gra­ti­on” betei­li­gen. Am wirk­sams­ten könn­te dies durch einen höhe­ren kom­mu­na­len Anteil an den Gemein­schafts­steu­ern des Bun­des geschehen.