Kei­ne Alter­na­ti­ve zu unse­rer Demokratie!

An der Dis­kus­si­on nah­men Hans-Wil­li Körf­ges, stell­ver­tre­ten­der SPD-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­der des nord­rhein-west­fä­li­schen Land­tags, Sus­a­na dos San­tos-Herr­mann, stell­ver­tre­ten­de Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de im Rat der Stadt Köln, Dr. Hel­mut Rede­ker, Mit­glied der SPD-Frak­ti­on im Rat der Stadt Bonn, und Mar­kus Ramers, stell­ver­tre­ten­der Land­rat des Krei­ses Eus­kir­chen, teil. Die Wis­sen­schaft war ver­tre­ten durch den Rechts­po­pu­lis­mus­for­scher der FH Düs­sel­dorf Alex­an­der Häus­ler. Der Erfah­rungs­aus­tausch wur­de mode­riert von Veith Lem­men, Mit­glied im Lan­des­vor­stand der NRW SPD. Ein­ge­führt in das SGK-Forum hat Jochen Ott MdL, UB-Vor­sit­zen­de der Stadt Köln und Mit­glied des Rates der Stadt Köln.

Unauf­fäl­li­ges Agie­ren als Strategie

Die Anwe­sen­den waren sich einig dar­über, dass die AfD vor Ort unauf­fäl­lig agie­re, sich also harm­los und unauf­ge­regt ver­hal­te, sich daher ein kon­kre­ter, kri­ti­scher Umgang mit die­ser Frak­ti­on als äußerst schwie­rig gestal­te. Bis­lang hät­ten sich die AfD-Frak­tio­nen mit kei­nen rechts­po­pu­lis­ti­schen, ten­den­ziö­sen“ Anträ­gen oder Wort­bei­trä­gen her­vor­ge­tan. Sie haben sich eher harm­lo­sen The­men gewid­met, wie bei­spiels­wei­se der Bahn­hofs­er­wei­te­rung in Bonn. Die­ses unauf­fäl­li­ge Agie­ren scheint aller­dings eher eine Stra­te­gie zu sein als purer Unwis­sen­heit kom­mu­nal­po­li­tisch rele­van­ter The­men geschul­det. Schein­bar habe die AfD nicht wirk­lich ein Inter­es­se dar­an, Kom­mu­nal­po­li­tik zu betrei­ben, sie nut­ze eher die kom­mu­na­le Büh­ne, um sich lang­fris­tig auf Lan­des­ebe­ne zu organisieren. 

Janus­köp­fig­keit

Zu die­ser Stra­te­gie passt auch die offen­sicht­li­che Janus­köp­fig­keit der AfD. So wur­de fest­ge­stellt, dass sie sich auf der einen Sei­te als bür­ger­nah gebe, auf der ande­ren Sei­te aller­dings typisch rech­te The­men beset­ze, wie etwa die War­nung vor der Flücht­lings­ka­ta­stro­phe“.

Auch der Rechts­po­pu­lis­mus­for­scher Alex­an­der Häus­ler sieht die Gefahr, die von der AfD aus­geht, in ihrem unkla­ren Pro­fil begrün­det: Zum einen wür­de sie zuneh­mend zum Züng­lein an der Waa­ge“ wer­den, also als Steig­bü­gel­hal­ter für einen neu­en rech­ten Block die­nen. Zum ande­ren sei sie eine Catch-all-Par­tei“, die in den Wäh­ler­schich­ten aller Par­tei­en wil­dern würde. 

Blo­ßes Igno­rie­ren reicht nicht aus

Daher warnt er vor einem blo­ßen Igno­rie­ren der AfD. Nicht beach­ten wür­de nicht aus­rei­chen, son­dern der AfD eher eine Büh­ne der Selbst­in­sze­nie­rung bie­ten. Nur eine regel­mä­ßi­ge, inhalt­li­che Aus­ein­an­der­set­zung mit der AfD ins­be­son­de­re im kom­mu­na­len Bereich wür­de für eine kon­kre­te Aus­ein­an­der­zu­set­zen sorgen.

Wie­der­ein­füh­rung der Sperrklausel

Letzt­lich waren sich die Anwe­sen­den einig dar­über, dass die Wie­der­ein­füh­rung einer Pro­zent­hür­de bei den Kom­mu­nal­wah­len zwar die Viel­zahl klei­ner Par­tei­en und Frak­tio­nen im Par­la­ment ver­hin­dern und daher für eine zuneh­men­de Effek­ti­vi­tät der par­la­men­ta­ri­schen Arbeit vor Ort sor­gen. Aller­dings dür­fe sie kein Ersatz für den poli­ti­schen und zivil­ge­sell­schaft­li­chen Kampf gegen den Rechts­ex­tre­mis­mus sein.

Betont wur­de schluss­end­lich die Posi­ti­on der Sozi­al­de­mo­kra­tie: Sie müs­se sich wie­der auf ihre tra­di­tio­nel­len Wer­te besin­nen, wei­ter die Küm­me­rer­par­tei“ sein, und das Feld nicht der AfD über­las­sen. Es sei unver­zicht­bar, dass die demo­kra­ti­schen und allen vor­an die sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Kräf­te sich den aktu­el­len Her­aus­for­de­run­gen stellen.

Kon­ti­nu­ier­li­cher Austausch 

In dem letz­ten hal­ben Jahr hat sich lei­der bestä­tigt, was die all­ge­mei­ne Ver­mu­tung war: Die ver­schie­de­nen For­men poli­ti­scher Agi­ta­ti­on rech­ter Grup­pie­run­gen schei­nen sich zu ver­ste­ti­gen, und sie wer­den auch hier in den Kom­men in NRW spür­bar zum Aus­druck kom­men. Daher wird die SGK NRW die­ses SGK-Forum kon­ti­nu­ier­lich fort­set­zen. Dar­über hin­aus wird sie ger­ne und jeder­zeit ihre Res­sour­cen zur Ver­fü­gung stel­len, um sys­te­ma­tisch die­sen wich­ti­gen Erfah­rungs­aus­tausch mit den Genos­sin­nen und Genos­sen vor Ort vor­an­zu­trei­ben und um wirk­sa­me Gegen­stra­te­gien in der Aus­ein­an­der­set­zung mit die­sen men­schen­feind­li­chen Grup­pen zu erar­bei­ten.