Frank Bara­now­ski: Es gibt nur eine Wahl

Es ist noch kei­ne zwei Jah­re her, als sich die Kom­mu­na­len über fast alle Par­tei­gren­zen hin­weg freu­ten, dass die blei­er­ne Zeit schwarz-gel­ber Lan­des­po­li­tik end­lich zu Ende war. 
Gross war die Freu­de dann als Han­ne­lo­re Kraft mit ihrer rot- grü­nen Lan­des­re­gie­rung ihre Zusa­gen zur Stär­kung des Kom­mu­nal­fi­nan­zen umge­hend ein­lös­te. Akti­ons­plan Kom­mu­nal­fi­nan­zen” hieß das Pro­jekt, dass die schlimms­ten dau­er­haf­ten Kür­zun­gen der Rütt­gers Regie­rung wie­der rück­gän­gig mach­te: Die bun­des­weit ein­ma­li­ge Strei­chung der Betei­li­gung an der Grund­er­werbs­steu­er, rund 133 Mio. Euro, und der Ver­zicht auf den Kon­so­li­die­rungs­bei­trag zur Sanie­rung des Lan­des­haus­hal­tes, rund 166 Mio. Euro, waren vom Tisch. Bei­des übri­gens woll­te die CDU mit ihrer Kla­ge gegen den Lan­des­haus­halt ver­hin­dern. Schon vergessen?

Als eine neue Kul­tur der Zusam­men­ar­beit erfuh­ren die Kom­mu­na­len die neue Gesprächs­be­reit­schaft der Lan­des­re­gie­rung, die die Minis­ter­prä­si­den­tin mit der SGK seit lan­gem pflegt.

Die Erin­ne­rung an Schwarz-Gelb sind schon Grund genug, um CDU und FDP nicht erneut in Regie­rungs­ver­ant­wor­tung zu brin­gen. Denn die Strei­chun­gen waren ja kei­nes­wegs der ein­zi­ge Sün­den­fall. Inves­ti­ti­ons­zu­schüs­se wur­den gestri­chen, neue Belas­tun­gen kamen gleich rei­hen­wei­se auf die Kom­mu­nen zu, die sich schnell auf Mil­li­ar­den­be­trä­ge sum­mier­ten und die Her­aus­for­de­run­gen der Zukunft wur­den nicht ange­nom­men. Weder beim beherz­ten Aus­bau der Kin­der­be­treu­ung noch beim Umbau der Indus­trie­ge­sell­schaft. Nein, ein Zurück darf es nicht geben.

Die Bilanz rot- grü­ner Poli­tik für die Kom­mu­nen fällt dage­gen ins­ge­samt posi­tiv aus – trotz aktu­el­ler Debat­ten um die Aus­wir­kun­gen des Stärkungspaktes. 

Die Über­nah­me der Grund­si­che­rung bei­spiels­wei­se, für die sich die Kon­ser­va­ti­ven im Bund fei­ern las­sen wol­len, wäre nie­mals ohne Rot-Grün in NRW mög­lich gewor­den. Um 130 Mil­lio­nen Euro wer­den die NRW Kom­mu­nen ent­las­tet, weil NRW die Son­der­be­darfs­zu­wei­sun­gen für die neu­en Län­der wegen über­durch­schnitt­li­chen
Belas­tun­gen bei der Arbeits­lo­sen- und Sozi­al­hil­fe auf den Prüf­stand stellte. 

Die ein­zi­ge Ant­wort, die Schwarz- Gelb auf die dra­ma­ti­sche Finanz­si­tua­ti­on der Kom­mu­nen in NRW in pet­to hat­te, lau­te­te Pri­vat vor Staat”. Ein Kon­zept, dass die Pri­va­ti­sie­rung kom­mu­na­ler Dienst­leis­tun­gen ver­folgt, spielt mit den ele­men­ta­ren Bedürf­nis­sen der Men­schen in den Städ­ten und Gemein­den. Für uns aber ist klar: die Ver­sor­gung mit Ener­gie sowie Ver- und Ent­sor­gung müs­sen in öffent­li­cher Ver­ant­wor­tung blei­ben. Die Reform des Gemein­de­wirt­schafts­rech­tes gehört des­halb zwei­fel­los auch zu den Erfol­gen der nur kur­zen rot- grü­nen Regierungszeit. 

Anders als unter Schwarz-Gelb hat die Regie­rung mit Han­ne­lo­re Kraft die struk­tu­rel­le Finanz­kri­se nord­rhein-west­fä­li­scher Kom­mu­nen nie geleug­net, son­dern aus­drück­lich zum The­ma gemacht. 350 Mil­lio­nen jähr­lich und zehn Jah­re lang für den Stär­kungs­pakt Stadt­fi­nan­zen bil­den einen kräf­ti­gen Schub für die betrof­fe­nen Kom­mu­nen der ers­ten Stu­fe, wei­te­re 319 Mil­lio­nen, fak­tisch aus kom­mu­na­len Mit­teln, sind Aus­druck der inter­kom­mu­na­len Soli­da­ri­tät. Alle Betei­lig­ten wis­sen, dass damit ein wich­ti­ges Etap­pen­ziel erreicht wer­den kann, das fort­ge­setzt und ver­stärkt wer­den muss. Die CDU hat sich in der Debat­te eben­so wenig zukunfts­fä­hig erwie­sen wie in der Ver­gan­gen­heit. Aber auch Rot-Grün muss­te Zuge­ständ­nis­se machen, um die ori­en­tie­rungs­lo­sen Libe­ra­len zu gewinnen. 

Geld ist nicht alles: die ver­bes­ser­ten Mög­lich­kei­ten für Bür­ger­ent­schei­de und die Wie­der­ein­füh­rung der Stich­wah­len sind Bei­spie­le der Stär­kung der kom­mu­na­len Demokratie. 

So sehr die Bilanz nach nicht ein­mal zwei Jah­ren posi­tiv aus­fällt, so sehr sind noch vie­le Bau­stel­len offen. Ange­fan­gen von den Kom­mu­nal­fi­nan­zen über die Ener­gie­wen­de vor Ort, der Schaf­fung kin­der- und eltern­freund­li­cher Gemein­den bis zur Wei­ter­ent­wick­lung demo­kra­ti­scher Betei­li­gung und der Ein­for­de­rung von mehr Unter­stüt­zung durch den Bund reicht die Palet­te.
Aber wer soll eine kom­mu­nal­freund­li­che Poli­tik im Land denn durch­set­zen, wenn nicht die SPD?

Stadt und Land – Hand in Hand. Wer das will, hat nur eine Wahl.