Bara­now­ski sieht Schuld für Cha­os beim Bund!

Abrech­nungs­skan­dal: Ver­ant­wor­tung für Kon­trol­len nicht den Kom­mu­nen aufbürden

Düs­sel­dorf. Der Skan­dal um die Coro­na-Schnell­test­zen­tren scheint grö­ße­re Aus­ma­ße zu besit­zen als bis­her ange­nom­men. Frank Bara­now­ski, Vor­sit­zen­der der Sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Gemein­schaft für Kom­mu­nal­po­li­tik (SGK) in NRW und auf Bun­des­ebe­ne: Es ist uner­träg­lich, wenn der Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter die Ver­ant­wor­tung für Über­wa­chung und Kon­trol­len allein auf die Kom­mu­nen abschie­ben möch­te. Es kann und darf nicht sein, dass Städ­te und Krei­se da in die Bre­sche sprin­gen müs­sen, wo der Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter nicht in der Lage ist, die eige­nen Regeln zu überwachen.“

Frank Bara­now­ski: Aus mei­ner Sicht hat der Bund die Struk­tu­ren für Kon­trol­len und Über­wa­chung vor­zu­hal­ten – sofern es die­se nicht schon gibt. Obwohl es daten­schutz­recht­lich mög­lich gewe­sen wäre, sind kei­ne detail­lier­ten Kon­troll­re­geln geschaf­fen worden.“

Ganz im Gegen­teil: Im kaum noch zu durch­schau­en­den Rege­lungs­wirr­warr wer­den bei­spiels­wei­se die glei­chen Sach­ver­hal­te auf Bun­des- und Lan­des­ebe­ne unter­schied­lich gere­gelt. So sieht § 7 Abs. 5 der Coro­na­vi­rus-Test­ver­ord­nung Bund vor, dass die Abrech­nungs­da­ten bis 31.12.2024 gespei­chert wer­den müs­sen. Dage­gen regelt die NRW-eige­ne Coro­na­test­struk­tur­ver­ord­nung in § 5 Abs. 5, dass die Unter­la­gen (Name, Anschrift, Geburts­da­tum) zur stich­pro­ben­ar­ti­gen Abrech­nungs­prü­fung für min­des­tens ein Jahr auf­ge­ho­ben wer­den müs­sen. Und in bei­den Fäl­len wer­de nicht klar defi­niert, wer die zustän­di­gen Abrech­nungs­stel­len“ bzw. die Prü­fungs­in­stan­zen sind.

Wer ein sol­ches Durch­ein­an­der fabri­ziert, muss sich nicht wun­dern, wenn nie­mand mehr den Über­blick hat und bestehen­de Lücken durch Kri­mi­nel­le aus­ge­nutzt wer­den! Hier muss ein Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter han­deln sowie umset­zen und es nicht nur bei wohl­fei­len Wor­ten belas­sen. Die loka­len Gesund­heits­äm­ter arbei­ten bereits heu­te jen­seits der Belas­tungs­gren­ze und muss­ten im Rah­men der Pan­de­mie bereits all­zu häu­fig das Manage­ment­ver­sa­gen der über­ge­ord­ne­ten staat­li­chen Ebe­nen aus­ba­den – in die­sem Zusam­men­hang erin­ne­re ich an die völ­lig miss­glück­te Ein­füh­rung des SOR­MAS-Ver­fah­rens. Ihnen jetzt noch die Prü­fun­gen der Abrech­nun­gen auf­zu­bür­den, hal­te ich für einen Trep­pen­witz“, so Frank Baranowski. 

Der Vor­sit­zen­de der SPD-Kom­mu­na­len sieht noch ein wei­te­res Pro­blem mit Blick auf den Abrech­nungs­skan­dal: Kein Mensch kann mir plau­si­bel erklä­ren, wie pro Tes­ter 30 Tests in der Stun­de durch­ge­führt wer­den sol­len. Das wären ja alle 2 Minu­ten ein Test. Exper­ten hal­ten das für abso­lut unrea­lis­tisch. Ent­we­der bleibt die Hygie­ne (z.B Hand­schuh­wech­sel nach jedem Tes­tat und regel­mä­ßi­ge Flä­chen­des­in­fek­ti­on) auf der Stre­cke, oder die gemel­de­ten Zah­len sind schlicht falsch. 

Es ist bit­ter, dass ein­zel­ne schwar­ze Scha­fe dafür sor­gen, dass der Ruf der vie­len ehr­li­chen Test­stel­len eben­falls in Mit­lei­den­schaft gezo­gen wird.“